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Tagesbericht zum Samstag der WTCR in Pau

1. Freies Training: Urrutia schnellster

Santiago Urrutia gab im ersten freien Freien Trainings beim Rennwochenende in Frankreich das Tempo vor. Allerdings stand das erste Training des FIA Tourenwagen-Weltcups (WTCR) ganz im Zeichen der Eingewöhnung der Fahrer auf dem Circuit de Pau-Ville.

 

Hinter Urrutia reihten sich Yann Ehrlacher, Mikel Azcona und Esteban Guerreri am Ende der 45-minütigen Sitzung in die Zeitenliste ein. Dabei war Urrutia mit einer Rundenzeit von 1.20,160 Minuten beeindruckende 0,489 Sekunden schneller als der amtierende „König“ des WTCR Yann Ehrlacher.

 

„Dafür, dass ich zum ersten Mal auf dieser Strecke fahre und es der Saisonstart ist, lief es gut“, sagte Urrutia. „Kurz bevor ich hinausfuhr, sagte ich zu meinem Ingenieur, ich muss so hart wie möglich pushen, um die Strecke zu lernen und das habe ich dann auch getan. Ich habe zwar eine gute Runde hinbekommen, aber das ist erst das Freie Training. Wir müssen uns jetzt die Daten ansehen. Die Strecke ist sehr schwierig und wenn man nur ein Stück von der Ideallinie abweicht, landet man in der Mauer. Als wir die Strecke abgelaufen sind, hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie so schnell ist. Die erste Schikane ist wirklich extrem uneben. Aber natürlich bin ich glücklich.“

 

Dritter hinten den beiden Lynk & Cos wurde Néstor Girolamiaus dem Team ALL-INKL.COM Münnich Motorsport. Der Lokalmatador Yvan Muller landete auf Platz vier, vor Norbert Michelisz aus dem Team BRC Hyundai N Squadra Corse, der damit seinen neuen Teamkollegen Mikel Azcona auf Platz sechs verwies.

 

Platz sieben ging an den Honda-Pilot Esteban Guerrieri. Hinter ihm landete Thed Björk, dessen Antriebswelle bei der Überfahrt der Randsteine brach, wodurch er wertvolle Trainingszeit verlor. Attila Tassi wurde bei seinem ersten Auftritt für das LIQUI MOLY Engstler Neunter, während der WTCR-Rückkehrer Ma Quing Hua die Top 10 komplettierte.

 

Der beste Audi-Fahrer war Nathanaël Berthon mit Platz elf, Gilles Magnus wurde Zwölfter. Die beiden CUPRA-Fahrer Rob Huff und Daniel Nagy landeten auf den Plätzen 13 und 14. Wilcard-Fahrer Éric Cayrolle kam in seinem Audi Sport RS3 LMS auf Platz 18 ins Ziel

2. Freies Training: Urrutia weiter vorne

Santiago Urrutia konnte an seine exzellente Form vom Vormittag anknüpfen und auch im zweiten Freien Training auf dem Circuit de Pau-Ville die schnellste Zeit setzen.

 

Der Uruguayer aus dem Team Cyan Performance Lynk & Co fuhr eine 1:20.125 Minuten und war damit um 0,079 Sekunden schneller als Mikel Azcona in seinem Hyundai Elantra N TCR.

 

Doch Urrutia war der einzige Lynk-&-Co-Fahrer der beide Trainingssessions ohne Probleme absolvieren konnte. Nachdem Thed Björk bereits am Vormittag einen gebrochenen Antriebsstrang erlitten hatte, bekamen im zweiten Freien Training Yann Ehrlacher und Yvan Muller dasselbe Problem.

 

„Die Strecke hier ist schwierig und um eine gute Runde zu fahren, muss man die Randsteine mitnehmen“, sagte Urrutia. „Aber man muss sehr viel arbeiten im Auto. Ich denke, es kommt darauf, wie man die Kerbs nimmt. Im Moment bin ich ziemlich zufrieden. Mal sehen, wie es dann im Qualifying läuft. Mikel sieht auf jeden sehr schnell aus, also abwarten. Wir sollten ein gutes Qualifying fahren können, wenn wir keine mechanischen Probleme bekommen.“

 

Dritter wurde wie am Vormittag Néstor Girolami in seinem Honda Civic Type R TCR.  Dahinter reihte sich trotz seines defekten Antriebes der amtierende „König“ des WTCR, Yann Ehrlacher, ein. Platz fünf ging an Thed Björk, der eine gute Pace zeigte und Tom Cornel und seinen Audi Sport RS3 LMS auf Platz sechs verwies

 

Siebter wurde Norbert Michelisz in seinem Hyundai vor Gilles Magnus (Audi) und Esteban Guerrieri (Honda). Die Top 10 komplettierte Attila Tassi in seinem Honda.

 

 

Elfter wurde Nathanaël Berthon (Audi). Platz zwölf ging an Tiago Monteiro (Honda). Dahinter reihten sich Ma Quing Hua (Lynk & Co) und WTCR-Rückkehrer Mehdi Bennani (Audi) ein. Rob Huff verbremste sich in Kurve 1 und landete dementsprechend nur auf Rang 15. Die Tourenwagen-Legende Yvan Muller stand am Ende auf Platz 16 der Zeitentabelle, nachdem er das gesamte Training aufgrund des Antriebsproblems in der Box verbringen musste.

Qualifying: Girolami mit maximaler Punktzahl

Die schnellste Zeit im Q3-Shootout fuhr der Argentinier Girolami, doch das Gesprächsthema Nummer 1 war der schwere Unfall von Thed Björk in Q2, woraufhin die Session unterbrochen werden musste. Glücklicherweise blieb der Schwede aus dem Team Cyan Performance Lynk & Co unverletzt.

 

Yvan Muller, vierfacher Tourenwagen-Weltmeister, wurde Dritter. Platz vier ging an Nathanaël Berthon aus dem Team Comtoyou DHL Audi Sport. Fünfter wurde Ma Qing Hua bei seinem ersten WTCR-Qualifying nach zwei Jahren Auszeit.

 

Nach dem neuen Reglement für den WTCR – FIA World Touring Car Cup 2022 erhalten die fünf schnellsten Fahrer des Qualifyings, unabhängig davon, ob sie ihre schnellste Runde im Qualifying Q1, Q2 oder Q3 gefahren sind, Punkte auf einer Skala von 10-8-6-4-2. Das bedeutet, dass Girolami, Guerrieri, Berthon, Mikel Azcona vom BRC Hyundai N Squadra Corse und der belgische Youngster Gilles Magnus vom Comtoyou Team Audi Sport ihre ersten Punkte in dieser Saison eingefahren haben.

 

Azcona setzt sich mit der schnellsten Zeit in Q1 das erste Ausrufezeichen

 

Zum Zeitpunkt des Abbruches war Mikel Azcona aus dem BRC Hyundai N Squadra Corse der schnellste Mann auf der Strecke. Dicht gefolgt von Néstor Girolami, Gilles Magnus (Audi), Esteban Guerrieri (Honda) und Ma Qing Hua (Lynk & Co). In Q1 qualifizieren sich die schnellsten zwölf Fahrer für das Q2, während die langsamsten Sechs ausscheiden. Der Erste, der den Einzug in die nächste Runde verpasste, war Rob Huff aus dem Team Zengő Motorsport. Ihm fehlten 0,063 Sekunden auf Santiago Urrutia, der als Zwölfter geradeso eine Runde weiterkam, was angesichts der beiden Freien Trainings, in denen Urrutia der Schnellste war, verwunderlich ist.

 

Für den amtierenden „König“ des WTCR, Yann Ehrlacher, war es ebenfalls keine einfache Session. Nachdem er mit seinem Lynk & Co in eine Leitplanke geknallt war und einen Schaden erlitten hatte, zeigte er sich sichtlich erleichtert, dass er es ins Q2 geschafft hat. „Ich muss mich bei meinen Jungs entschuldigen, aber wenn man am Limit fährt, kann so etwas passieren. Hier gibt es keinen Platz für Fehler.“

 

Neben Rob Huff verpassten auch Mehdi Bennani auf Platz 14 (Audi), Tiago Monteiro (Honda), Tom Coronel, der im Training einen Reifenschaden erlitten hat, Dániel Nagy (CUPRA) und Wildcard-Fahrer Éric Cayrolle (Audi) den Sprung ins Q2.

 

Drama um Thed Björk

 

Q2 musste nach 15 Minuten unterbrochen werden. Thed Björk touchierte in Kurve 12 die Mauer, verlor die Kontrolle und schlug heftig in der gegenüberliegenden Leitplanke ein. Das Auto verursachte mit der vorderen linken Seite ein gewaltiges Loch in der Streckenbegrenzung und wurde anschließend wieder mitten auf die Strecke geschleudert.

 

Ma kam als erster an der Unfallstelle vorbei und war erleichtert, dass er einen Unfall vermeiden konnte. „Es war eine kritische Situation“, sagte er. „Als ich die gelbe Flagge sah, verlangsamte ich ein wenig, aber Theds Auto stand am Ausgang einer nicht einsehbaren Kurve und ich konnte ihn überhaupt nicht sehen. Es war reines Glück, dass ich an ihm vorbeigekommen bin, aber ich habe dennoch einige Schäden am Auto.“

 

„Es war ein heftiger Einschlag“, sagte Björk. „Wir geben auf der Strecke unser Bestes, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass wir in der Mauer landen könnten. Ich habe das wirklich nicht erwartet. Sobald man auch nur einen kleinen Fehler macht, bestraft dich die Strecke dafür. Aber es geht mir Gott sei Dank gut. Dennoch bin ich verärgert. Ich wollte die Punkte und auch eine gute Ausganslage für die Rennen. Es tut mir leid für das Team, aber ich bin froh, dass es mir gut geht. Jetzt muss ich halt zurückschlagen. So etwas passiert manchmal, aber meine Liebe zu Stadtkursen ist ungebrochen.“

 

Das erste Ausrufezeichen im Qualifying setzte Guerrieri mit einer 1:19.85 Minuten – er war damit der erste Fahrer, der unter 1:20 Minuten blieb. Nathanaël Berthon qualifizierte sich mit einer tollen Runde auf dem zweiten Platz für das Q3-Shootout. Girolami, Muller und Ma folgten ihm.

 

Mit Platz sechs verpasste ein frustrierter Yann Ehrlacher das Q3 äußerst knapp. Ähnlich enttäuscht war Santiago Urrutia, der Achter geworden ist. Die Top 10 komplettierten Attila Tassi und Norbert Michelisz. Dank der Reverse-Grid-Regelung darf Michelisz morgen im zweiten Rennen von der Pole starten. Dabei beschädigte der Ungar sogar seinen Hyundai, als er in Kurve 2 die Leitplanke traf. Mit einer abgeklebten Karosserie schickte ihn sein Team wieder auf die Strecke, wodurch er die Reverse-Grid-Pole erben konnte.

 

Girolami vor Guerrieri auf der Pole

 

Guerrieri entschied sich dazu, als erster seine schnelle Runde im Q3-Shootout zu fahren. Doch mit einer 1:19.937 Minuten war er ein wenig langsamer als in Q2. Sein Teamkollege Girolami war als nächster an der Reihe. Er war schneller im ersten und langsamer im zweiten Sektor, doch er knackte die Zeit von Guerreri um 0,154 Sekunden.

 

Ma war der Dritte im Bunde. In seinem ersten Qualifying nach seiner WTCR-Rückkehr zeigte er eine beeindruckende Leistung im Lynk & Co, allerdings war er nicht wirklich eine Bedrohung für die Honda. Ihm fehlten 0,964 Sekunden auf Girolami.

 

Lokalmatador Yvan Muller ging als nächstes auf die Strecke. Er war schneller als Ma, doch langsamer als die Honda. Der Abstand zu Girolami betrug 0,578 Sekunden. Nun blieb nur noch Berthon im Kampf um die Pole übrig. Der Audi-Pilot gab sein Bestes, landete letztendlich aber hinter Muller auf Platz vier mit einem Abstand von 0,846 Sekunden.

 

Damit stand das Ergebnis fest. Girolami startet in Rennen 1 von der Pole, gefolgt von Guerrieri, Muller, Berthon und Ma.

 

„Ich möchte dem gesamten Team gratulieren, sie haben einen fantastischen Job gemacht. Vielleicht waren wir sogar zu schnell! Mal sehen, wie wir uns beim nächsten Rennen mit 40 Kilogramm Zusatzgewicht schlagen werden“, freute sich Girolami. „Aber ich freue mich auch für Esteban. Seine Runde in Q2 war klasse. Wir haben einfach alles zusammengebracht, das Auto war bereits in den Freien Trainings fantastisch. Ich wusste, die Temperaturen würden in Q3 sinken, wodurch auch die Rundenzeit langsamer werden würde. Also bin ich noch aggressiver gefahren. Das Auto war dadurch auf der Vorderachse schwieriger zu kontrollieren, aber es hat mir zwei Zehntel gebracht. Ich freue mich, die erste Pole der Saison eingefahren zu haben. Aber wir müssen weiterhin clever bleiben. Auf einem Stadtkurs können viele Dinge passieren. Nichtsdestotrotz bin ich glücklich und ich habe Vertrauen in das Auto.“

 

Bilder und Text: WTCR

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