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Joystick Racer - Mit 200 km/h über die Rennstrecke

Der internationale Tag der Menschen mit Behinderung wird seit 1993 jedes Jahr am 3. Dezember begangen. Er soll das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderungen stärken. Die PARAVAN GmbH und Schaeffler Paravan Technologie GmbH & Co. KG zeigen eindrucksvoll, wie Inklusion auch im Motorsport funktionieren kann. Eine Aktion die anderen Menschen Mut machen soll mobil zu werden und Barrieren zu über überwinden. Über 320.000 km fuhr Janis McDavids in den vergangenen Jahren unfallfrei. Nun steigt der Hamburger in ein Rennauto.

Pfronstetten-Aichelau: Der Traum vom Autofahren hat in Janis McDavids Leben schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Für ihn bedeutet diese Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin er fährt und wann. Doch hinter der Freiheit steckt viel mehr, „dass ich auf der Straße genauso bin, wie alle anderen. Da spielt es keine Rolle, dass ich keine Arme und Beine habe. Das ist ein großartiges Gefühl.“ Vor gut zehn Jahren konnte sich Janis McDavid diesen Traum mit einem für ihn individuell angepassten Mercedes Sprinter erfüllen und ist seither 320.000 Kilometer unfallfrei, nur mit einem 4-Wege-Joystick und dem Fahr- und Lenksystem Space Drive, unterwegs.

 

„Als Kind habe ich eigentlich immer von coolen Sportwagen geträumt“, sagt er. Dieser Traum ist jetzt in einem BMW M3 in Erfüllung gegangen. Professionell, dem offiziellen Sicherheits-Reglement entsprechend, mit einem feuerfesten Rennanzug und Helm ausgestattet, nimmt Janis McDavid Platz. Wie im Rennsport für jeden Fahrer üblich, wurde auch der Sitz speziell für ihn angepasst. Einen ersten Test auf dem Hockenheimring hat er mit Bravour gemeistert.

 

Die Idee, einen Kindheitstraum Realität werden zu lassen, entstand bei Janis Besuch im PARAVAN Mobilitätspark vor gut einem Jahr. Eigentlich ging es um sein neues Auto, das zwar wieder ein Kleinbus werden wird, der aber deutlich wendiger und schneller als der alte Sprinter sein soll. Dabei kam bei Janis McDavid die Frage auf, geht’s nicht noch schneller? „Klar geht das!“, meinte PARAVAN-Geschäftsführer Roland Arnold und zeigte Janis sein jüngstes Projekt, einen Audi R8 LMS GT3, den ersten Sportwagen weltweit, der ganz ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenkgetriebe auskommt – vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) zugelassen. Warum nicht einmal diese Technologie mit einem 4-Wege-Joystick auf der Rennstrecke testen?

 

„Wenn ich sehe, dass Janis jetzt auf der Rennstrecke fährt, ist das für mich unglaublich“, sagt Roland Arnold begeistert. Für ihn ist dieses innovative Projekt eine Herzensangelegenheit und zugleich ein wichtiges Zeichen für Inklusion. „Mit dem Projekt wollen wir anderen Menschen Mut machen, Grenzen zu überwinden, mit einer Technologie, die in der Zukunft eine ganz zentrale Rolle bei der Entwicklung zukünftiger autonomer Fahrzeugkonzepte spielen und jedem zugutekommen wird.“

 

Begeistert nahm Janis McDavid die fahrerische Herausforderung an, bei der es für ihn gleich zwei entscheidende Neuerungen gab: Das erste Mal mit einem PS-starken PKW richtig Gas zu geben. Zum anderen ist es für Janis McDavid eine Premiere mit der 2. Generation des Fahr- und Lenksystems Space Drive unterwegs zu sein. Die ersten Tests machten deutlich: „Ich habe viele Unterschiede gespürt, allein schon, weil der Wagen tiefer liegt. Hinzu kommt, er fährt viel präziser durch die Kurve, ein entscheidender Unterschied zu Space Drive 1.“

 

Drei kritische Punkte galt es im Vorfeld für die PARAVAN-Techniker zu meistern, Joystick und Anzug, die Kurven und die Geschwindigkeit. Die Herausforderung dabei: Der 4-Wege-Joystick, komplett in die individuell angepasste Sitzschale integriert, muss auch bei höheren Geschwindigkeiten und den entsprechenden Fliehkräften auf der Rennstrecke fest unter Janis Achsel sitzen. „Wichtig war an erster Stelle, dass Janis stabil sitzt und seine Sicherheit gewährleistet ist. Er muss sich wohl und sicher fühlen. Das ist die Grundvoraussetzung“, sagt Alexander Gräff, der für die technische Umsetzung des Projektes sorgte und als Drift-Weltmeister selbst Benzin im Blut hat.

 

Nachdem der Umbau abgeschlossen war, folgten erste Tests, begleitet von Fahrlehrer Ralf Buhmann, zuerst auf der Straße, dann auf dem PARAVAN Übungsplatz mit ersten Drifteinlagen und zuletzt auf dem Flugfeld in Mengen mit dem nötigen Speed. Damit konnten die Mobilitäts-Spezialisten überprüfen, ob Janis im Sitz den nötigen Halt hat. „Das erste Mal die 200 km/h Schallmauer zu durchbrechen, war ein Megagefühl. Ralf meinte zu mir: Hey Junge, nicht auf den Tacho fokussieren, schau auf die Straße!“

 

Vor den ersten Tests auf dem Hockenheimring hatte Janis McDavid Respekt. „Es soll keine Spazierfahrt werden, ich möchte schon etwas Angasen“, sagt Janis. „Ich teste sehr gerne Grenzen aus, aber ich bin dabei dennoch vorsichtig und will natürlich nichts beschädigen.“ Dafür hat er einen prominenten Coach, Bernd Schneider fünffacher DTM-Sieger, der in der abgelaufenen Saison selbst im Mercedes-AMG GT3 im Space Drive Cockpit saß und sich auch schon am Joystick versucht hat. „Und hier innen kantelt man ein bisschen, weil man einfach weniger Weg braucht, wenn man den linken Curb mit einbezieht“, erklärt der Profi, während er Janis auf der Rennstrecke durch die Ideallinie führt, „dann innen rein und nach dem Scheitelpunkt geht man schon leicht ans Gas und dann raus beschleunigen.“

 

„Das hat er heute phänomenal gemeistert. Janis ist nicht nur einfach gefahren, er hat die Ideallinie gepackt. Ich habe ihm genau gesagt von wo nach wo einlenken, Scheitelpunkt und er hat das perfekt gemeistert! Gänsehaut im Auto für mich“, sagt der Routinier im Anschluss. „Ich kann immer noch nicht realisieren, was das letztendlich bedeutet“, meint Janis, völlig geflasht von seiner ersten Fahrt. „Das ist ein Kindheitstraum von mir, der jetzt in Erfüllung gegangen ist. Wir haben einen großen Schritt gemacht, was Mobilität angeht und für Space Drive. Wer hätte das gedacht, dass man nicht mal Arme und Beine braucht, um hier mit einem Rennwagen auf der Rennstrecke zu fahren.“

 

Jetzt fiebert Janis McDavid seinem ersten offiziellen Einsatz entgegen, der coronabedingt auf das Frühjahr verlegt werden musste. Dann wird er hoffentlich – noch vor dem Safety-Car – mit seinem BMW die Einführungsrunde bei einem großen Rennen fahren können.

 

Text und Bild: Schaeffler Paravan