
Seit vielen Jahren zählt Jörg Hennig zu den bekanntesten Stimmen des Motorsports am Nürburgring. Der 66-Jährige stammt aus Winningen an der Mosel bei Koblenz und begleitet als Streckensprecher und Kommentator jedes Jahr rund 25 Rennwochenenden. Zudem engagiert er sich als Vorstand Sport des ADAC Mittelrhein. Im Interview spricht Hennig über seinen Weg ans Mikrofon, die Faszination historischer Rennserien, besondere Erlebnisse am Nürburgring und die Zukunft des Motorsports.
Hallo Jörg, du bist seit vielen Jahren als Kommentator bei Motorsport-Veranstaltungen aktiv. Wie bist du ursprünglich zu dieser Rolle gekommen und was fasziniert dich bis heute daran?
Eigentlich war das reiner Zufall. Angefangen hat alles bei einer Indoor-Trial-Veranstaltung in der Sporthalle Oberwerth in Koblenz. Dort bin ich erstmals ans Mikrofon gekommen – und daraus hat sich alles Weitere entwickelt.
Was mich bis heute begeistert, lässt sich gar nicht so leicht in Worte fassen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, sich intensiv auf eine Veranstaltung vorzubereiten. Oft dauert die Vorbereitung sogar länger als das eigentliche Event. Die Fahrerinnen und Fahrer geben auf der Strecke alles – und genau das ist auch mein Anspruch am Mikrofon. Hinzu kommen die Gespräche im Fahrerlager, das Wissen über die verschiedenen Reglements, die Technik und die Zusammenarbeit mit den Teams und Veranstaltern. All das macht diese Aufgabe so besonders. Manchmal frage ich mich selbst, worin die Faszination genau liegt. Die einfache Antwort lautet: Es macht mir bis heute einfach riesigen Spaß.
Vor allem bei den historischen Events ist deine Stimme über die Lautsprecher zu hören. Was genau macht für dich den Reiz für beispielsweise die Youngtimer Trophy oder ähnliche Formate aus?
Historische Rennserien wie die Youngtimer Trophy leben für mich vor allem von ihrem besonderen Miteinander. Im Fahrerlager spürt man noch sehr deutlich, worum es im Motorsport eigentlich geht: um die Leidenschaft für den Sport. Nicht jeder kann Formel-1- oder GT3-Profi werden – und das muss auch gar nicht das Ziel sein. Viele bauen ihre Fahrzeuge selbst auf, beherrschen die Technik und verbringen gemeinsam mit Familie und Freunden ein ganzes Rennwochenende an der Strecke. Genau dieser Geist macht für mich den Reiz dieser Veranstaltungen aus.

Du hast in deiner Laufbahn unzählige Veranstaltungen begleitet. Gibt es einen lustigen oder kuriosen Moment am Mikrofon, der dir bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?
Davon gibt es einige. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber der Truck-Grand-Prix im Jahr 2000 auf dem Nürburgring. Während des 45-minütigen Zeittrainings der Super Race Trucks lag dichter Nebel über der Strecke, sodass kein einziger Truck fahren konnte. Ich habe trotzdem die kompletten 45 Minuten kommentiert und den Zuschauerinnen und Zuschauern alles Wissenswerte über den Trucksport erzählt – über Fahrer, Teams, Technik und Hintergründe. Da ich damals alle Beteiligten sehr gut kannte, konnte ich die Zeit wunderbar überbrücken. Am Ende waren es spannende 45 Minuten, obwohl kein einziges Fahrzeug auf der Strecke unterwegs war. Und ich selbst hatte dabei riesigen Spaß.

Was schätzt du, wie viele Events du schon als Kommentator begleitet hast?
Ich schätze, dass es inzwischen zwischen 600 und 700 Veranstaltungen gewesen sind.
Zusätzlich bist du auch der Vorstand Sport des ADAC Mittelrhein. Wie kann man sich diese Funktion konkret vorstellen und welche Aufgaben übernimmst du dort?
In meiner Funktion als Vorstand Sport darf ich bei vielen Themen mitentscheiden, die weit über den Motorsport hinausgehen. Im sportlichen Bereich habe ich das große Glück, mit einer hervorragenden Sportabteilung zusammenzuarbeiten.
Ich sehe mich dabei vor allem als Ideengeber. Mir ist wichtig, neue Projekte anzustoßen, ohne dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Natürlich gehören auch viele Entscheidungen zu meinen Aufgaben: Beispielsweise geht es um Förderzuschüsse, um Einsprüche gegen Meisterschaftswertungen oder um grundsätzliche sportliche Fragestellungen. Ebenso wichtig ist für mich der regelmäßige Besuch von Veranstaltungen. Nur wer an der Basis unterwegs ist, versteht die Sorgen und Wünsche der Aktiven wirklich. Hinzu kommen täglich zahlreiche Gespräche und Telefonate. Insgesamt ist die Aufgabe sehr zeitintensiv – aber ich bin sehr dankbar, dass ich sie ausüben darf.

Was zeichnet den ADAC Mittelrhein aus deiner Sicht aus?
Ich finde, dass sich der ADAC Mittelrhein besonders dadurch auszeichnet, dass sich der Vorstand mit großer Leidenschaft für den Motorsport engagiert. Gleichzeitig kümmern wir uns intensiv um den Breitensport und verlieren dabei keine Sparte aus dem Blick. Ob Kartslalom, ADAC GT Masters, ADAC GT4 Germany, Nürburgring Langstrecken-Serie oder Oldtimer – jeder Sportler ist für uns wichtig. Außerdem liegt uns das Ehrenamt sehr am Herzen, denn ohne die vielen engagierten Helferinnen und Helfer wäre Motorsport in dieser Form nicht möglich.
Wenn du dir den deutschen Motorsport-Nachwuchs anschaust. Welche Herausforderungen liegen da vor den jungen Leuten?
Oft wird als erstes das Geld als größtes Problem genannt. Natürlich spielt die Finanzierung eine Rolle, aber ich sehe das etwas differenzierter. Entscheidend ist vor allem die Bereitschaft, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Gerade im Breitensport gibt es viele Möglichkeiten, kostengünstig einzusteigen. In der Cup- und Tourenwagen Trophy oder der Youngtimer Trophy kann man gemeinsam mit Freunden ein Fahrzeug aufbauen und einsetzen. Dafür braucht es keinen großen Renntransporter – ein Pkw mit Anhänger reicht oft völlig aus. Wer Einsatz zeigt und mit Leidenschaft dabei ist, findet durchaus Wege in den Motorsport.

Besitzt der ADAC Mittelrhein ein Förderprogramm, um junge Talente zu unterstützen?
Ja – und darauf bin ich besonders stolz. Wir fördern einen ausgewählten Kreis junger Motorsportlerinnen und Motorsportler sowohl finanziell als auch mental. Seit diesem Jahr haben wir zudem ein neues Projekt gestartet: Vier Nachwuchsfahrer erhalten die Möglichkeit, besonders kostengünstig in den Automobil-Rundstreckensport einzusteigen. Dafür stehen zwei Fahrzeuge zur Verfügung, die in der Cup- und Tourenwagen Trophy eingesetzt werden. Dieses Projekt wird gemeinsam von der CTT, C&R Motorsport und dem ADAC Mittelrhein getragen und finanziert.
Wenn du auf die aktuelle Motorsportlandschaft blickst: Welche Herausforderungen werden den Motorsport in Deutschland in den kommenden Jahren am stärksten beschäftigen?
Die größte Herausforderung werden aus meiner Sicht die Teilnehmerzahlen sein. Es ist wichtig, dass sich die einzelnen Rennserien nicht gegenseitig die Fahrerinnen und Fahrer wegnehmen. Während Serien wie die Cup- und Tourenwagen Trophy derzeit stark wachsen, kämpfen andere Formate mit rückläufigen Starterfeldern. Hier gilt es, gemeinsam Lösungen zu finden, damit der Motorsport insgesamt attraktiv und vielfältig bleibt.

Zum Abschluss: Stell dir vor, du wärst Veranstalter eines Motorsport-Events auf dem Nürburgring. Welche fünf Serien müssten aus deiner Sicht im Programm sein und mit wem würdest du die Rennen kommentieren wollen?
Für mich wäre eine gute Mischung entscheidend – also moderner Motorsport, Historie, Nachwuchs und unterschiedliche Fahrzeugkonzepte. Auf jeden Fall dabei wäre die Cup- und Tourenwagen Trophy (CTT). Sie bietet kostengünstigen Motorsport auf attraktiven Rennstrecken wie Nürburgring, Hockenheim, Spa, Assen oder Zolder. Ebenfalls unverzichtbar wäre der ADAC Tourenwagen Junior Cup, weil dort der Motorsport-Nachwuchs gefördert wird. Die Youngtimer Trophy gehört ebenfalls ins Programm. Sie verkörpert den Breitensport wie kaum eine andere Serie. Viele Teams bauen ihre Fahrzeuge selbst auf und leben den Motorsport mit großer Leidenschaft. Als Formelserie würde ich den historischen Formelsport mit HRA oder HMR wählen, da wir in Deutschland leider keine aktuelle nationale Formelserie mehr haben.
Komplettiert würde das Feld entweder durch die STT mit modernen GT3-, GT4- und TCR-Fahrzeugen oder durch die FHR, die historischen Rennsport mit Fahrzeugen der Baujahre 1947 bis 1981 bietet. Die meisten dieser Serien kommentiere ich seit vielen Jahren allein. Sehr gerne arbeite ich aber auch mit Oliver Martini oder Joachim Ebertz zusammen. Bei der STT habe ich mit Holger Niklas einen Co-Kommentator an meiner Seite, der mich direkt aus dem Fahrerlager mit aktuellen Informationen versorgt. Das ergänzt sich hervorragend und macht die Übertragungen noch lebendiger.
Vielen Dank Herr Hennig für das umfangreiche Interview. Wir wünschen bei den vielen Aufgaben weiterhin viel Freude!
Text: NRingInfo











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