Enger Wettbewerb sorgt beim 24-Stunden-Rennen für Spannung

Bild: Max Bermel
Bild: Max Bermel

Es ist in jedem Jahr wie das Warten auf die weihnachtliche Bescherung, wenn Teams, Fahrer, Organisatoren und Fans zu Saisonbeginn auf die ADAC TotalEnergies 24h Nürburgring blicken. Beim großen Saisonhöhepunkt vom 18. bis 21. Mai erweist sich immer wieder aufs Neue, wer auf der legendären Nordschleife die beste Kombination aus Renngerät, Fahrern und Team zusammengebracht hat.

Und zum Glück wird die Wartezeit – ganz ähnlich wie im Advent – auf das Angenehmste verkürzt: Zwei von drei Läufen zur Nürburgring Langstrecken-Serie vor den 24h sind bereits absolviert, bei denen besonders die GT3 von BMW und Porsche einen starken Eindruck hinterließen. Noch ein weiterer NLS-Lauf und der finale Prolog im Rahmen der ADAC Qualifiers 24h Nürburgring 2023 vom 22. bis 23. April bleiben den Protagonisten, um sich perfekt vorzubereiten. Rund 30 Starter traten zuletzt in der Top-Klasse an, wo die GT3 der vorläufigen Favoriten mit ihren Konkurrenten von Aston Martin, Audi, Ferrari, Lamborghini und Mercedes-AMG um die Vorherrschaft streiten. Da ist jeder Kilometer auf der Rennstrecke heiß begehrt, um ein erfolgreiches Paket zu schnüren. Nur gut, dass bei den Qualifiers gleich zwei Rennen dafür genutzt werden können: Einem kurzen Zwei-Stunden-Heat am Samstagabend folgt sonntags ein Rennen über die vierstündige Distanz. Zusammen mit der Zeit in den Qualifyings also ein perfekter letzter Test vor dem Saisonhöhepunkt in der „Grünen Hölle“. Wer die 24h Qualifiers live vor Ort erleben möchte, kann sich seine Tickets unter [vor Ort erleben] hier auf der offiziellen 24h-Homepage sichern (Tageskarten Samstag / Sonntag je 23 Euro, Wochenendticket 38 Euro).

Bild: Manfred Muhr
Bild: Manfred Muhr

Auch beim zweiten NLS-Lauf des Jahres ging der Rennsieg an einen BMW. Nach Rowe Racing (NLS 1) waren es diesmal Jakub Giermaziak (POL) und Jesse Krohn (FIN), die den M4 GT3 von Walkenhorst Motorsport vor Matteo Cairoli (ITA) und Julien Andlauer (FRA) im zweitplatzierten Porsche 911 GT3 R von Rutronik Racing ins Ziel brachten. Auch Platz drei war fest in BMW-Hand, denn die Werks-Junioren Daniel Harper (GBR), Max Hesse (Wernau) und Neil Verhagen (USA) eroberten den verbliebenen Podestplatz, nachdem der Falken-Porsche mit der #3 nach einem Zwischenfall im Überrundungsverkehr eine Durchfahrtstrafe kassiert hatte. Mit nunmehr zwei Siegen könnte den BMW-Mannschaften damit die vorläufige Favoritenrolle gehören, doch Rennsieger Giermaziak mahnt zur Vorsicht. „Unser BMW M4 GT3 war heute eindeutig eines der schnellsten Autos im Feld, und wir haben keine Fehler gemacht. Aber vor dem 24h-Rennen ist es auch immer so, dass einige Teams ihre Leistungsfähigkeit nicht aufdecken wollen. Wir haben uns dagegen nicht versteckt, und hatten schon im ersten NLS-Lauf diese Pace – nun konnten wir sie in den erhofften Sieg umsetzen.“ Nach der Pole Position bei NLS1 belohnte sich Walkenhorst diesmal mit dem Sieg gegen starke Konkurrenz – der erste NLS-Triumph des Teams überhaupt mit dem BMW M4 GT3. So konnte sich auch Teamkollege Jesse Krohn nach seinem gelungenen ersten Einsatz im M4 freuen: „Einen besseren Start in die Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen kann man sich nicht wünschen.“

Bild: Max Bermel
Bild: Max Bermel

Jede Vorbereitungs-Chance muss genutzt werden

 

Als sehr wettbewerbsfähig erwies sich beim zweiten NLS-Lauf auch Porsche, wo Rutronik und Falken mit ihren 911 GT3 R in der Spitzengruppe auf Augenhöhe mitkämpften. Die starke Form unterstrichen die Zweitplatzierten aus dem baden-württembergischen Remchingen zudem mit der Pole-Position. „Wir haben konsequent gearbeitet und am Set-up gefeilt“, beschreibt Cairoli. „Vor allem im Qualifying am Morgen habe ich mich sehr wohl gefühlt – der 911 GT3 R war nahezu perfekt, und ich konnte aufs Podium fahren.“ Auch sein Teamkollege Andlauer war nach dem Rennen sehr zufrieden. „Wir haben super gearbeitet in diesen zwei Tagen und alle haben sich bemüht, das Auto auf den Punkt perfekt hinzustellen. Uns fehlt noch ein Quäntchen, um völlig bei der Musik zu sein, aber bei den schwierigen Bedingungen konnten wir uns aus allen Schwierigkeiten raushalten und mit einer guten Strategie aufs Podium fahren.“ Daran, dass auch Porsche spätestens bei den 24h voll konkurrenzfähig sein wird, gibt es also kaum Zweifel: Die starke Vorstellung beim zweiten NLS-Lauf und noch drei verbleibende Vorbereitungsrennen (NLS3 sowie die beiden Läufe bei den 24h Qualifiers) geben den Teams noch Gelegenheit, ihre bulligen Rennwagen bis ins letzte Detail in Form zu bringen.

Auch die Verfolger sind längst auf Augenhöhe

 

Wobei auch klar ist: Verpassen sollte man diese Gelegenheiten auf keinen Fall! Denn nicht nur BWM und Porsche verfügen in diesem Jahr definitiv über konkurrenzfähiges Gerät: Auch Audi und Mercedes-AMG haben längst gezeigt, was in ihren GT3 der Saison 2023 steckt. Im Qualifying von NLS2 eroberte die beiden GetSpeed-Mercedes AMG GT3 Plätze in der zweiten und dritten Startreihe, Audi brachte zwei R8 LMS GT3 Evo II auf Top-10-Plätzen ins Ziel – beide Marken schafften es beim NLS-Saisonauftakt zudem aufs Podium. Und bei dem für die Nordschleife typischen wechselhaften Wetter kann ein Renntag auch bei akribischster Vorbereitung mal ohne zählbares Ergebnis enden. Ernst Moser, Team-Principal des bestplatzierten Audi-Teams Scherer PHX konnte dem Geschehen dennoch etwas Positives abgewinnen. „Solche Tage gibt es im Motorsport. Wir haben viel Aufwand betrieben, was sich am Ende aber leider nicht im Ergebnis widergespiegelt hat. Wir haben dennoch sehr viel gelernt, vor allem, was das Handling der Reifen bei gemischten Bedingungen angeht. Die Fahrer haben auch sehr viel Tracktime gesammelt, was in Hinblick auf das 24h-Rennen Gold wert ist.“ So ähnlich sieht es auch sein Fahrer, Frédéric Vervisch (BEL). Der 24h-Vorjahressieger teilte sich mit Mattia Drudi (ITA) und Dennis Lind (DEN) den bestplatzierten Audi und freute sich vor allem über „ein problemloses Rennen, das sehr viel Spaß gemacht hat. Ich war das erste Mal nach meinem Sieg 2022 wieder auf der Nordschleife – toll wieder zurück zu sein.“

Bild: Guido Alfes
Bild: Guido Alfes

Langstrecken-Feeling bei den 24h Qualifiers

 

Auch wenn die einzelnen GT3-Topmodelle des Jahrgangs 2023 weitgehend konkurrenzfähig sind, ist für die einzelnen Teams jede Testmöglichkeit hoch willkommen. Denn schließlich werden am Ende wohl zwischen 20 und 30 siegfähige Fahrzeuge beim Nordschleifenklassiker antreten. Da kann der kleinste Vorteil schon entscheidend sein. Deshalb dürften praktisch alle Top-Teams auch die beiden noch verbleibenden Vorbereitungswochenenden nutzen. Nach dem dritten NLS-Lauf Mitte April geht der Blick dabei vor allem auf die ADAC 24h Nürburgring Qualifiers am vierten April-Wochenende. Denn das kompakte Zweitages-Programm bietet sehr viel Fahrzeit auf der Nordschleife, darunter allein sechs Rennstunden. Samstags geht es nach zweieinhalb intensiven Trainings-Stunden auf dem Grand-Prix-Kurs und der Gesamtstrecke am Abend in ein zweistündiges Rennen. Wenn dieses um 21:30 Uhr abgewinkt wird, blinken bereits die Scheinwerfer auf – auch die Vorbereitung der Abläufe am Abend und in der Nacht soll hier nämlich bewusst ermöglicht werden.

Am Sonntag geht es dann in ein weiteres Qualifying sowie das Einzelzeitfahren der Top-Teams um die Pole Position. Ab 13 Uhr geht es dann noch einmal vier Stunden um Sekunden, Platzierungen und natürlich vor allem: um Daten. Denn wenn Rennleiter Walter Hornung um 17:00 Uhr das schwarz-weiß-karierte Tuch schwenkt, dann rollen die Räder danach erst wieder beim Saisonhöhepunkt einen Monat später. Wer also bis dahin sein Set-up nicht beisammen hat, der wird bei den ADAC TotalEnergies 24h Nürburgring von Beginn an hinterherfahren.

 

Text: 24h Nürburgring Pressemeldung