Acht um Acht - Der Jahresrückblick mit Lukas Gajewski

Bild: BMW M2 Cup Media
Bild: BMW M2 Cup Media

1. Wie viele Rennen bist du in diesem Jahr gefahren? 

Keines. Das kann ich leider nicht vernünftig. Ich habe die Rennen wieder am Mikro als Moderator und Kommentator begleitet. Da kann ich weniger kaputtmachen. Und es macht mir unwahrscheinlich viel Spaß.

 

 

Bild: 24h Series
Bild: 24h Series

2. Bist du mit dem Verlauf der Saison zufrieden? 

Das bin ich. Der Saisonstart war nach dem langen Winter ja ziemlich holprig und es gab noch ein paar Verschiebungen. Trotz der Umstände durfte ich bei vielen tollen Rennserien und Produktionen an Bord zu sein und viel Zeit mit tollen Menschen verbringen. Und ich bin wieder mehr gereist. Als ich im April bei der 24H Series in Le Castellet als Boxenreporter aushelfen war, habe ich zum ersten Mal wieder in einem Flugzeug gesessen, Dinge nur mit Gestik bestellt und ein Dosenbier am Strand getrunken. Das war echt eine Wohltat, für die ich sehr dankbar bin, denn das ist zurzeit ja nichts Selbstverständliches.

 

 

 

3. Was war dein persönliches Highlight in der Saison 2021? 

Mein Jahreshighlight hat auf zwei Rädern stattgefunden - Schleiz mit der IDM, der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Ich war zum ersten Mal da und es hat mich komplett umgehauen. Die Rennstrecke besteht aus öffentlichen Landstraßen, die erst kurz vor den ersten Trainings geschlossen werden. Die Fans sind wahnsinnig enthusiastisch, campen in den Feldern neben der Rennstrecke und machen das ganze Wochenende Party. Es hat mich in manchen Punkten wirklich an das 24 Stunden-Rennen am Nürburgring erinnert und war dieses Jahr meine Nummer eins.

 

Bild: IDM
Bild: IDM

4. Hattest du in diesem Jahr einen Zweikampf auf der Strecke der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 

In der NLS auf jeden Fall Christian Krognes gegen Vincent Kolb in der Schlussphase bei NLS 6. Das war das einzige NLS-Rennen, bei dem ich dieses Jahr in der Kommentatorenkabine gesessen habe. Und wenn man sowas live kommentiert, erlebt man es nochmal intensiver, als als Boxenreporter, wo man erstmal passiv zuschaut und dann hinterher die Protagonisten ans Mikrofon holt. Ansonsten natürlich Michael Christensen gegen Alessandro Pier Guidi beim WEC-Finale in Bahrain, das wir auf Eurosport gezeigt haben. Das war echt aufregend und mal wieder ein Ruck, der durch die WEC ging. Und dann erinnere ich mich noch gerne ans zweite Rennen vom neuen BMW M2 Cup am Red Bull Ring. Das war eine riesige Meute, die mit Hauen und Stechen gekämpft hat. 30 Minuten Gekloppe. Nicht alles nach dem Geschmeck der Rennleitung, aber für mich als Kommentator natürlich Goldstaub.

Bild: FIA WEC
Bild: FIA WEC

5. Im Laufe der Saison kamen auch wieder Fans zurück an die Strecke und letztlich sogar ins Fahrerlager. Wie war das für dich, als man wieder im direkten Kontakt mit den Fans stand? 

Überragend. Wir wussten ja die ganze Zeit, dass die Fans fehlen. Aber ich glaube, wir haben erst so wirklich gemerkt, wie viel die Fans an der Strecke ausmachen, als sie endlich wieder da waren. Ich kann mich an ein NLS-Rennen erinnern, bei dem wir in der Startaufstellung spontan die Fahrerinterviews fast komplett gestrichen haben und nur die Fans vor die Kamera geholt haben. Das hat so viel Spaß gemacht, vor allem mit den vielen Kids, die bei der NLS ja auch in die Startaufstellung kommen. Mein Zugang zum Motorsport kam auch als normaler Zuschauer. Ich habe als 7-Jähriger am Nürburgring mein erstes Autorennen gesehen. Es ist sehr beruhigend, dass der Motorsport nach wie vor Menschen anzieht.

 

Bild: Max Bermel
Bild: Max Bermel

6. Im Motorsport hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung und was würdest du dir für die Zukunft wünschen? 

Darüber könnten wir ewig sprechen. Da gibt es ja wirklich viele Aspekte. Ich bleibe jetzt mal in meinem Bereich der Berichterstattung. Da war die Corona-Pandemie in einigen Punkten sogar förderlich, weil viele Rennserien ohne Zuschauer vor Ort unbedingt einen Livestream an den Start bringen wollten. Es sind also noch ein paar Betätigungsfelder mehr entstanden. Seit der Pandemie werden aber noch mehr Rennen von zuhause kommentiert und nicht mehr von vor Ort. Die Produktionen haben jetzt mal schwarz auf weiß, was sie dadurch einsparen. Und gerade bei Nischenproduktionen ist das Plus an Qualität durch Vor-Ort-Berichterstattung in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr genug, um diesen Extraaufwand zu rechtfertigen. Ich wünsche mir auf jeden Fall, weiter so viele Rennen wie möglich vor Ort miterleben zu können. Das ist einfach was anderes. Dazu kommt natürlich, dass das Reisen, das gemeinsame Essen gehen und all das sehr angenehme Nebeneffekte bei meiner Tätigkeit sind.

 

Bild: BMW M2 Cup Media
Bild: BMW M2 Cup Media

7. Wie verbringst du die Winterpause?

Als Pastor Maldonado der Buchhaltung warten im Winter immer viele Zettel auf mich, die mal irgendwie sortiert werden müssen. Ansonsten habe ich während der Pandemie angefangen, auch mal aufwendiger zu kochen. Ich kann es immer noch nicht, ich mache alles dreckig und ganz viele Sachen fallen runter. Es macht aber ganz schön viel Spaß.

8. Gibt es schon Pläne für die kommende Saison? 

In den letzten zwei Jahren sind immer mal wieder Ehrenamtler von Motorsportvereinen und Breitensport-Veranstaltungen auf mich zugekommen und wollten ein paar Infos haben zu Livestreams oder Social Media-Aktionen und so weiter. Ich glaube, viele Clubs haben wirklich gute Ideen, um sich auch modern zu präsentieren, brauchen aber vielleicht mal ein paar Ratschläge zur Umsetzung. Neben den Einsätzen am Mikro möchte ich das 2022 mal aufgreifen. Der Begriff Medienschulung wäre ein bisschen hochtrabend, aber in die Richtung soll es gehen.

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